Am Montag, dem 29.11.2021, besuchten wir mit dem Religionskurs von Frau Smith, den Vertreterinnen des Modell-Projektes „Tikkun- Wertebildung und Kompetenzförderung: Für Menschenwürde und Demokratie“, die uns seit einiger Zeit eine Stunde in der Woche besuchen und versuchen uns das jüdische Leben in Deutschland näherzubringen, und allen Teilnehmer*innen der Ende des Schuljahres stattfindenden Kursfahrt nach Israel im Rahmen einer Exkursion die jüdisch-orthodoxe Synagoge Potsdam. Nach einer ca. 45 minütigen Anfahrt gelangten wir an das von außen sehr schlicht und unauffällig wirkende Haus, an dem wir von den freundlichen Referenten empfangen wurden - und von mehreren gewaltigen Betonblöcken. Allein diese zur Sicherheit der Synagoge gedachten Blockaden gaben einen Hinweis darauf, dass sich hinter diesen Mauern etwas anderes verbarg, als hinter denen der anderen Häuser in der Umgebung.

Jüd Gemeinde Raum

Als wir den Bereich, der die Synagoge war, betraten, erblickten wir einen langen Raum, der im Großen und Ganzen recht schlicht gestaltet war. An der gegenüberliegenden Seite war jedoch eine weinrote, über und über mit schmuckvollen Gebetsbüchern und einem Toraschrein verzierte Wand, auf die ein ebenfalls langer Tisch zuführte, an dem wir dann gemeinsam Platz nahmen.

Kurz darauf, nachdem man einigen der Jungen eine Kippa gegeben hatte, begrüßte uns ein freundlich aussehender Herr mittleren Alters, der sich als Hr. Kutikow, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, vorstellte. Er begann, von der Entstehungsgeschichte der Gemeinde zu erzählen, und erklärte uns, dass eine Synagoge im Gegensatz zu einer Kirche kein Gotteshaus sei, sondern eher eine Art Gemeindesaal für Juden darstelle, der unter anderem auch als Gebetsraum genutzt würde. Darum sei es auch kein Problem, dass diese Synagoge sich in einer ehemaligen Feuerwehrwache befände, deren Ausfahrten zugemauert waren. Später kam noch zur Sprache, dass trotzdem im Moment an einer Synagoge im Zentrum Potsdams gebaut würde, die zwar grundlegend orthodox sei, in die dann aber alle Juden, ganz gleich ob dem liberalen, dem orthodoxen oder dem Reformjudentum angehörig, gehen könnten.

Nachdem er seinen kleinen Vortrag beendet hatte, gab er das Wort an den Gemeinde- und Landesrabbiner Ariel Kirzon weitRabbinerer, der uns ebenfalls noch einmal herzlich willkommen hieß und us im Gegensatz zu seinem Vorgänger bat, ihm eher Fragen zu stellen, die wir glücklicherweise schon im Unterricht vorbereitet hatten. Dieser Teil der Exkursion war mit Sicherheit der interessanteste, da es querfeldein durch verschiedenste Themen ging: Ob es nach jüdischem Glauben ein Leben nach dem Tod gäbe, ob die Möglichkeit bestünde, dass Christen, Juden und Muslime alle denselben Gott unter anderen Namen anbeteten, ob und wieviel man als Jude in der heutigen Zeit noch Antisemitismus erlebe oder wie jüdische Kinder mit weit verbreiteten christlichen Feiertagen wie Weihnachten umgingen, waren nur einige der Gesprächsthemen. Besonders interessant war, als Kirzon uns erzählte, was er und seine Familie persönlich an Hanukka machten. Erstaunt hat viele von uns, dass tatsächlich noch niemand aus der Gemeinde seit ihrer Gründung antisemitisch angefeindet oder gar angegriffen wurde, was jedoch teilweise auch mit dem Standort der Gemeinde in einer recht ruhigen und wohlhabenden Stadt zu begründen sein mag. Ein großer Diskussionspunkt war der Umgang mit Frauen und Homosexualität im orthodoxen Judentum, da Angehörige dieser Strömung eine recht traditionelle und leider auch diskriminierende Haltung gegenüber weiblichen und queeren Personen haben, wie es allerdings auch bei orthodoxen Strömungen des Christentums und anderer Religionen zu beobachten ist.

Nach dieser spannenden Gesprächsrunde zeigten der Rabbi und Torahder Gemeindevorsitzende uns die Tora und der Rabbiner las uns sogar ein Stück daraus vor, was aufgrund des Singsangs, in dem die hebräische Schrift gelesen wird, äußerst faszinierend war.

Nach einer kurzen Pause verabschiedeten wir uns von Hr. Kirzon und gaben ihm zum Dank ein Glas unseres Schulhonigs mit, wie später auch den anderen Referenten.

Zu guter Letzt kam noch ein dritter Referent zu Wort, der sich als Herr Olaf Glöckner, Doktor der Israelwissenschaften an der Uni Potsdam, vorstellte. Er hatte die ziemlich unmögliche Aufgabe, uns innerhalb von 30 Minuten 1.300 Jahre jüdisches Leben in Deutschland zusammenzufassen, was jedoch knapp doppelt so lange dauerte und darum die Aufmerksamkeitsspanne der meisten dann doch überforderte.

mit TorahInsgesamt fanden wir den Ausflug in die jüdische Synagoge in Potsdam sehr schön. Vor allem gefiel uns, wie offen und zugewandt sie dort mit uns redeten, dass viele unserer Fragen beantwortet wurden und sich die Gastgeber so viel Zeit für uns genommen haben. Es war außerdem ein sehr passender und bereichernder Ausflug zu unserem Projekt mit Tikkun und wir habe viel mitgenommen. 
 
Rafael Zaki und Benita Lasson