Endlich. Sechs Monate waren nun schon vergangen, seit wir unsere israelischen Freunde zum letzten Mal gesehen hatten. Und jetzt bog endlich der schwarze Reisebus auf den Parkplatz unserer Schule. 16:30 Uhr, so die geplante Ankunftszeit. Praktisch wurde es eher drei Stunden später. Unsere Nerven; zum Reißen gespannt - Aufregung, Ungeduld, Nervosität. Es dämmerte schon. Und endlich war da dieser Bus. Wir standen sicher schon eine halbe Stunde lang auf dem Parkplatz, plötzlich brach alles in euphorische Hektik aus. „Ich sehe den Bus!“, „Ja, da hinten.“, „Sie kommen!“, die Masse stürmte dem Bus entgegen.

 

 

Ein schwarzer Bus mit schwarz getönten Scheiben. Schwer zu erahnen, was bzw. dass sich überhaupt etwas dahinter verbirgt. Verwirrung. Wir konnten schlicht nichts sehen. Abrupt hielten wir inne, wie wenn man ein Video stoppt. Der Bus kam zum stehen, die Tür öffnete sich, ein Schrei und der erste Israeli wurde von seinem Austauschpartner unter Freudentränen in Empfang genommen. Danach fing auch alles Andere an, hysterisch zu kreischen und wie in Trance jeden zu umarmen, der einem in den Weg lief.

Ja, wir hatten unsere Austauschschüler vermisst.

Die Aufregung schlug alsbald in Erschöpfung um. Es war für uns alle ein langer Tag. Ein paar Worte zur Begrüßung entließen uns in den Abend und das vielleicht einzige Mal in der gesamten Woche lagen wir pünktlich in unseren Betten.

Das Wochenende konnte jede Gastfamilie individuell gestalten. Programmpunkt auf fast jeder To-Do-Liste: Shoppen gehen, Primark besichtigen. Nebenbei das typische Sightseeing; Kudamm und KaDeWe, Potsdamer Platz, East Side Gallery oder Sanssouci. Aber auch Graffitisprayen oder Pennyboardfahren auf dem Tempelhofer Feld – alles in einer größeren Gruppe, versteht sich. Abends wurde entweder eine Party gefeiert, Essen gegangen oder etwas anderes unternommen. Der Tag endete oft erst am nächsten Morgen.

Dennoch sollten wir uns am Montag frisch und munter um 8:00 Uhr zum Gottesdienst in der Schule einfinden. Das Thema war „Grenzen“, die Texte halb Deutsch, halb Englisch und die Lieder zumeist in hebräischer Sprache. Im Anschluss wurde anlässlich des Laubhüttenfestes auf dem Schulhof eine Sukka, also eine Laubhütte gebaut. Ausgesehen hat sie eher wie ein Partygewächshaus. Zur vorderen Seite offen, der Rest aus Zweigen geflochten und geschmückt mit bunt-glitzernden Girlanden. Zwei Bierzeltgarnituren komplettierten die Sukka, sodass wir darin bequem ein zweites Frühstück einnehmen konnten. Für die vierte Stunde war gemeinsamer Englischunterricht angedacht, in dem wir die Möglichkeit bekamen, über unsere verschiedenen Kulturen in Bezug auf bestimmte Aspekte, wie Abendgestaltung oder Schule, zu sprechen.
Nach einem gemeinsamen Mittagessen in der Mensa, fuhren wir mit dem Boot nach Hermannswerder zum Drachenbootfahren mit anschließendem Grillen.

Der Dienstag hieß für uns wieder Schule, während unsere Austauschschüler Berlin erkundeten und den Bundestag besuchten. Erst gegen Nachmittag brachen wir auf, um in der Stadt eine Fahrradtour zu machen.

Den Mittwoch verbrachten wir wieder alle gemeinsam im Rahmen eines Projekttages in der Schule. Zur Auswahl standen drei Projekte zum Thema „Mauern“. Eine Gruppe durfte ein Tuch mit Graffiti besprühen, andere Miniaturmodelle von Mauerstücken anmalen und wieder andere setzten sich mit der Berliner Mauer in Filmen auseinander. Die Ergebnisse präsentierten wir einen Tag später. Dies waren eine kleine, aber doch ziemlich lange Mauer, von beiden Seiten bunt bemalt, eine große Leinwand mit verschiedenen Motiven aus Graffiti gesprayt und drei Plakate zu unterschiedlichen Filmen mit dem Mauer-Aspekt.

Der Donnerstag war außerdem auch schon der Abreisetag. Die Zeit war sehr schnell vergangen. Und da wir uns ja gerade erst wiedergesehen hatten, fiel der Abschied umso schwerer. Dafür stand eine Sache noch fester als vorher; wir hatten Freunde für die Zukunft gewonnen und der Abschied würde nicht für immer sein.
So winkten wir dem schwarzen Bus nach, obwohl wir keine Gesichter sehen konnten, und waren doch glücklich, weil wir wussten, wir würden uns wiedersehen.

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Johanna K.