IMG 1127Auszug aus unseren Tagebüchern:

Heute ist der erste komplette Tag in Israel. Wir wohnen in Jerusalem. Den Tag begannen wir mit dem ersten gemeinsamen Frühstück. Ich war erstaunt, dass die Planung so gut funktionierte und jeder genug zu essen hatte, denn ich habe persönlich noch nie für so viele Leute Essen eingekauft und zubereitet. Frisch gestärkt ging es danach zur Gedenkstätte "YadVashem". Diese wurde im Gedenken an den Holocaust errichtet.

Wir waren bereits um neun Uhr beim Museum und bereits die Architektur des Museums war sehr beeindruckend. Diese soll die Geschichte der Juden unterstreichen, indem sich das Gebäude nach hinten verengt. Der Rundgang im Museum beginnt mit der Geschichte der Juden vor ihrer Verfolgung. Dafür wurde eine Filmsequenz zusammengeschnitten, die zeigten, wie verschiedene Familien in einem Haus zusammen lebten. Das Museumsgebäude war für diesen Teil der Ausstellung sehr breit, das wirkte offen und freundlich. Mich hat fasziniert, wie gut es dem Museum gelungen ist, den anonymen Opferzahlen durch einzelne Geschichten ein Gesicht zu geben. Nach dem Aufzeigen des normalen Lebens der Opfer beschäftigt sich das Museum mit der Verschwinden der Juden aus dem normalen Alltag.

Besonders erschreckt haben mich dabei die verschiedensten Methoden, wie dies geschehen ist. Für mich war vollkommen neu, dass es eine Art "Mensch Ärgere Dich Nicht" gab, bei welchem das Ziel verfolgt wurde, möglichst viele Juden nach Palästina zu schicken. Dass damit der Hass schon bei Kindern zu Hause antrainiert wurde, die dieses Spiel spielen, fand ich sehr einprägsam. Das Museum behandelte nach dieser Sequenz die ersten Deportationen. Dabei ist das Gebäude enger geworden, dadurch wirkte es nochmals bedrückender. Was mir persönlich sehr nah gegangen ist, war der Teil im Museum über Auschwitz, da ich Auschwitz im vergangen Jahr besichtigt habe. Deswegen kamen bei mir viele Eindrücke bei Betrachtung der historischen Aufnahmen von Auschwitz im Museum wieder hoch. Die im weiteren Verlauf der Ausstellung gezeigten Videos behandelten Themen, die ich zuvor noch nie gesehen hatte. Darunter waren Videos über das Erschießen der Menschen, welches von einem Soldaten aufgenommen wurde und von Leichen, die achtlos von Baggern weggekarrt wurden wie Müll, das fand ich schrecklich. Während diesem Teil der Ausstellung, war die Architektur an ihrem engsten Punkt angelangt.

Der letzte Raum, den wir besuchten, war mit einer Kuppel ausgestattet, an welcher Fotos von Opfern aufgeführt waren. Des weiteren befanden sich an der Wand überall Bücher mit vielen Opfernamen. Das hat mich erneut sehr bedrückt, denn man hat nochmals deutlicher realisiert, dass hinter jeder einzelnen Zahl ein Mensch mit einem Leben und einer Familie steht. Besonders bedrückend fand ich deswegen auch die Kinderbilder, deren abgebildete Personen vielleicht heute noch leben würden und zu dem Zeitpunkt ihrer Ermordung noch ihr ganzes Leben vor sich gehabt hätten. Deswegen fand ich es besonders gut, dass es auf dem Gelände von "YadVashem" ein Kinderdenkmal gab.

Ich finde, dass das Denkmal unglaublich gut gelungen ist und es ist ein schwierig beschreibbares Gefühl, in dem Denkmal zu stehen. Es war ein großer, dunkler Raum mit ganz vielen Spiegeln. Es wurden nur fünf Kerzen angezündet doch diese haben sich so oft in den Spiegeln gespiegelt, dass es für mich so wirkte als seien es mehrere 100. Es wurden gleichzeitig Namen und Alter von Kindern genannt, die dem Holocaust zum Opfer gefallen sind. Diese Namen mit dem jungen Alter zusammen zu hören, hat mich erneut traurig gemacht, denn viele waren nicht älter als wir. Die Idee hinter dem Kinderdenkmal, dass wenn eine Kerze von den fünf erlischt, der Raum um ein Wesentliches dunkler wird, fand ich sehr beeindruckend. Wenn ein Mensch einer fünfköpfigen Familie fehlt, fehlt eben mehr als nur ein Fünftel der Familie. Es ist jedes einzelne Leben der Opfer wichtig und an diese zu erinnern, ist der Gedenkstätte wirklich außerordentlich gut gelungen. Auch dass am Ende des Museum das Gebäude wieder breiter wurde und man auf eine große Glaswand zuging, hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Für mich bedeutet dieses Ende des Museums, dass jeder selbst die Zukunft gestallten kann, die offen und groß für jeden sein sollte, man sollte aber in diesem Zusammenhang nie die Vergangenheit vergessen.
Nach diesem bedrückenden und eindrucksvollen Vormittag gingen wir zurück ins Hotel für unsere Mittagspause. Auf dem Weg dahin war es deutlich voller als am Morgen, da viele Menschen vor dem Sabbatanfang ihren Einkauf erledigen mussten.

Am Nachmittag sind wir zur Grabeskirche Jesu in der Altstadt gegangen. Doch in dieser war es so voll, dass wir sein Grab nicht von Innen sehen konnten, da man dort nur zu dritt hineingehen durfte. Generell fand ich diese überfüllte Kirche wenig andächtig, die vielen fanatischen Gläubigen wirkten auf mich eher irritierend. Allerdings fand ich die Geschichte zu der Leiter, mit dessen Hilfe ein Mönch vor langer Zeit in die Kirche geklettert ist, lustig, denn keiner weiß heute, wem die Leiter gehört und wer die Erlaubnis hat diese wegzustellen, deswegen steht sie bis heute da. Diese Geschichte verdeutlicht für mich, wie schwierig und damit kurios die Kommunikation zwischen den Religionen ist.

Anschließend haben wir die Klagemauer besichtigt. Auf dem Weg zu dieser war es ein tolles Erlebnis durch die kleinen verwinkelten Gassen der Altstadt zu gehen, in welchen viele verschiedene Händler eng nebeneinander die verschiedensten Produkte verkauft haben. An der Klagemauer angekommen fand ich es sehr eindrucksvoll, die traditionelle Kleidung der Juden zu sehen. Viele hatten schwarze Hüte an, Kinder trugen Kipas und auch für die Jungs aus unserer Reisegruppe war es Pflicht, eine solche vor der Klagemauer zu tragen. Besonders schön und fröhlich fand ich den Tanz der Juden zu Beginn des Sabbats. Was ich allerdings schade fand, war, dass keine Frauen mittanzen durften. Generell hat es mich negativ überrascht, dass Frauen und Männer getrennt beten müssen, denn so hat man gar keine Chance gemeinsam mit seiner Familie zu beten. Außerdem war auf der Männerseite meiner Meinung nach eine bessere Stimmung. Dort war alles vertreten: Tanz, Menschen, die für sich beteten, aber auch die Unterhaltung mit anderen. Bei den Frauen gab es hingegen keinen Tanz, dennoch haben sich die Frauen neben uns unterhalten und hatten erkennbar auch ihren Spaß.

Besonders toll fand ich den Ausklang des Abends auf dem Ölberg. Wir haben uns den Sonnenuntergang über Jerusalem angeschaut. Die Sicht war einfach wundervoll und ich fand diesen Moment viel andächtiger als beispielsweise das Gefühl in der überfüllten Kirche.
Der erste Tag hat mir wirklich außerordentlich gut gefallen, ich habe sehr viele Eindrücke mitgenommen und an diesem Tag war das ganze Gefühlsspektrum enthalten, von Trauer am Vormittag in "YadVashem“, über feierliche Stimmung an der Klagemauer, bis hin zur andächtigen und schönen Stimmung auf dem Ölberg.

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